Video-Urheberrechtsverletzungen als Geschäftsmodell

Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen als Geschäfts­mo­dell

Oder, wie Audiam Geld an ande­rer Leute Videos ver­dient, die die Musik ihrer Künst­ler nut­zen.

 

Als ich den Hin­weis auf meine angeb­li­che Urhe­ber­rechts­ver­let­zung auf Youtube fand, war ich zuerst ein­mal geschockt. Schließ­lich bin ich im Besitz einer gül­ti­gen Musik­li­zenz für die Nut­zung auf Youtube. Die Film­rechte lie­gen sowieso kom­plett bei mir.

 

Doch der Reihe nach. Tags zuvor hatte ich mei­nen Film Phra­se­n­alarm in Mar­com City auf mei­nen Youtube Kanal hoch­ge­la­den und wollte im Video­ma­na­ger noch ein paar Ein­stel­lun­gen ändern, als es mir rot ent­ge­gen­leuch­tete. „Dein Video ent­hält mög­li­cher­weise Musik, die einem Drit­ten gehört. Dein Video ist ver­füg­bar und kann abge­spielt wer­den. Urhe­ber­rechts­hin­weise: Künst­ler­name, ton­auf­nahme Ver­wal­tet von: Audiam /​ Tune­Sat (Label)“

 

Naja, dachte ich, da hat der Künst­ler wohl seine Musik bei ver­schie­de­nen Fir­men zur Ver­mark­tung ein­ge­reicht, denn meine Lizenz kommt von einem ande­ren Anbie­ter. Eine kleine Recher­che bei YouTube ergab, ich kann Ein­spruch gegen den Anspruch erhe­ben. Gesagt, getan. For­mu­lar bei YouTube aus­ge­füllt, die Lizenz­in­for­ma­tio­nen ein­ge­fügt und mit der auto­ma­tisch von Youtube erzeug­ten For­mel abge­schickt. Tage­lang kam keine Reak­tion. Rund vier Wochen hat der Anspruch­stel­ler Zeit, sich zu dem Ein­spruch zu äußern. Kurz vor Ablauf der Frist sah ich im Video­ma­na­ger von YouTube, dass mein Ein­spruch abge­lehnt und der Anspruch reak­ti­viert wurde.

 

Nun brach Hek­tik in mei­nem Gemüt aus. Wie könnte ich den zustän­di­gen Stel­len den Nach­weis mei­ner Lizenz zukom­men las­sen? YouTube betont in sei­nen Hil­fe­tex­ten, sie wür­den nicht als Schieds­rich­ter auf­tre­ten. Mit dem angeb­li­chen Rechte-​​Inhaber war ich bis dahin nur über YouTube in Ver­bin­dung. Dort kann man im Ein­spruchs­for­mu­lar aber kein Doku­ment hoch­la­den. Wie sollte ich also bewei­sen, dass ich die Rechte erwor­ben hatte? Was würde gesche­hen, wenn ich erneut Ein­spruch erhe­ben würde und die­ser wie­der abge­lehnt würde? Schließ­lich rede ich hier mit einem auto­ma­ti­sier­ten Pro­zess, also mit einer Maschine.

 

YouTube nennt fol­gende Alter­na­ti­ven:

1. Ent­we­der man akzep­tiert den Anspruch. Dann kann YouTube Wer­bung vor den Film schal­ten.

2. Oder man akzep­tiert den Anspruch nicht und schal­tet die Musik stumm.

3. Man igno­riert den Anspruch. Dann schal­tet mög­li­cher­weise der angeb­li­che Rech­te­in­ha­ber das Video stumm.

4. Man ist über­zeugt, die Rechte zu besit­zen und erhebt erneut Ein­spruch. Das ist aller­dings nicht ganz ohne Risiko, denn wenn der erneute Ein­spruch eben­falls abge­lehnt wird, kann YouTube das Konto dau­er­haft kün­di­gen.

 

Alter­na­ti­ven eins bis vier waren für mich nicht akzep­ta­bel, des­halb fing ich an zu recher­chie­ren. Und nun wurde es rich­tig span­nend.

 

Das Geschäfts­mo­dell von Audiam

YouTube ist welt­weit eine der belieb­tes­ten Platt­for­men, wenn es um Video und Musik geht. Es ist ein mäch­ti­ges, preis­güns­ti­ges Tool, das vom Hob­by­fil­mer bis zum Groß­kon­zern gerne genutzt wird. Vor Videos kön­nen Wer­be­spots geschal­tet wer­den. Hier­mit ver­die­nen Pro­du­zen­ten ein paar Euro dazu. Nicht immer ist die ver­wen­dete Musik lizen­ziert, denn schwarze Schafe gibt es bekannt­lich über­all. Audiam hat einen spe­zi­el­len „direct licen­sing con­tract“ mit YouTube. Zusam­men­ge­fasst gesagt, Audiam scannt den gesam­ten YouTube Inhalt, fin­det Videos mit der Musik ihrer Künst­ler­kli­en­tel, mel­det Rechte an und beauf­tragt YouTube auf diese Videos Wer­bung zu schal­ten. Die Wer­be­ein­nah­men gehen dann teil­weise an den Künst­ler. Die Idee von Audiam ist inso­fern lobens­wert, als damit die Künst­ler an ihrem Werk auch dann ver­die­nen, wenn es unbe­rech­tigt genutzt wird. Die Idee einer Lizenz ist es jedoch, genau diese Rechte käuf­lich zu erwer­ben. Audiam setzt alle Nut­zer erst ein­mal unter Gene­ral­ver­dacht und es gibt bei YouTube der­zeit keine mir bekannte Mög­lich­keit einen Nach­weis über eine gül­tige Lizenz ein­zu­stel­len.

 

Um es kurz zu machen, ich schrieb eine Notiz in das Kon­takt­for­mu­lar, das ich bei Audiam auf deren Web­seite ent­deckte. Natür­lich in eng­li­scher Spra­che, denn die Firma sitzt in USA. Von dort bekam ich dann eine E-​​Mail Adresse genannt, an die ich meine Lizenz­do­ku­mente sen­den konnte. Gleich­zei­tig erhielt ich hilf­rei­che Unter­stüt­zung von mei­nem Lizenz­ge­ber Poly­sounds, den ich eben­falls ange­spro­chen hatte.

 

Eine abschlie­ßende Nach­richt habe ich nicht von Audiam erhal­ten, aber der Ein­spruch ist von mei­nem Video ent­fernt wor­den. Und das war ja mein Ziel.

 

Mein Tipp an alle, die ähn­li­che Pro­bleme mit ihrer Lizenz bekom­men.

1. Lizen­zie­ren Sie alle Werke – ver­steht sich im Busi­ness­um­feld von selbst.

2. Bewah­ren Sie die Lizenz griff­be­reit bei den Unter­la­gen zum Film auf.

3. Erhe­ben Sie Ein­spruch sowohl in deut­scher als auch in eng­li­scher Spra­che.

4. Ver­su­chen Sie sofort mit dem Rech­te­in­ha­ber in Kon­takt zu kom­men

5. Ver­las­sen Sie sich nicht auf die auto­ma­ti­schen Wege per For­mu­lar. Ein Gespräch oder eine Kon­takt­auf­nahme per E-​​Mail ist der bes­sere Weg.